Sanifaire Erlebnisparcours

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Woche für Woche fahre ich – meist an Frei- und Sonntagen – über die Autobahnen. Mittlerweile könnte ich die 550 km auch ohne größere oder kleinere Pausen schaffen. Wenn dann aber doch einmal der Kaffee treibt, bin ich froh, dass es entlang der Autobahnen nicht nur siffige WC-Häuschen auf langweiligen Parkplätzen gibt.

An beinahe jeder Tankstelle und jedem Rasthof wartet ein Drehkreuz, hinter dem nach Einwurf von nur 70 Cent die sanitären Erlebniswelten der Firma Sanifair auf einen warten.

Ich weiß noch, wie ich vor vielen Jahren das erste Mal fasziniert vor diesem Segen der Technik stand und zuschaute, wie nach dem Betätigen der Spülung ein automatischer Arm aus dem Spülkasten auftauchte, sich auf die Klobrille schob und diese reinigte, während sie sich surrend einmal vollständig im Kreis drehte und am Spülkasten lichtorgelgleich Leuchtdioden blinkten. Die Technik hat sich mittlerweile etwas verändert. Die Lichtorgeln sind weitestgehend verschwunden und einem schlichteren Ambiente gewichen, aber der Arm verrichtet noch immer schweigend seine reinigende Tätigkeit zum surrenden Klang der sich drehenden Brille. Allerdings scheint Sanifair auch das Programm seiner automatischen Helferlein etwas verändert zu haben, so dass das Reinigen der Brille nun vollautomatisch geschieht und ohne, dass man diesem Wunderwerk der Technik durch einen Wink den Startschuss geben muss. Es reicht, sich nach erledigtem Geschäft zu erheben und schon beginnt das Prozedere.

Doch der Fortschritt bringt nicht nur Segen, sondern an ihm haftet auch der Fluch – in diesem Falle haftet der Fluch als Hinterlassenschaft des „Vor-Sitzenden“ noch weitestgehend an der Keramik. Getreu dem Motto: „Schau nach vorn und nie zurück!“ wird die Kabine wohl mit der Gewissheit verlassen, dass das Klo sich von alleine reinigt und niemanden scheint es zu irritieren, dass kein Rauschen der Spülung den eigenen Abgang begleitet. Klar, man könnte die Kabine links liegen lassen und sein Glück in einer anderen versuchen. Aber „was soll’s“, denkt sich der patente Mann, gibt dem Sensor an der Wand einen Wink und … wuschhhh … ist das Problem gelöst.

Dumm nur, dass durch den Wink nicht nur die Spülung zu arbeiten beginnt, sondern auch die restliche Reinigungsprozedur inkl. rotierender Klobrille. Wäre ja gar nicht so schlimm, wenn nicht die Brille von der Reinigung kurz zuvor nicht nur strahlen würde. Nein…! Sie ist frisch greinigt, aber kaum getrocknet… MOAH! Beim letzten Mal hielt ich mich für besonders clever. Ich erinnerte mich noch rechtzeitig daran und dachte mir, ‚kein Problem, die Zeit hast Du auch noch‘, bewaffnete mich mit einigen Blättern Toilettenpapier um die Brille zu trocknen.

Und … hier schließt sich der Kreis, bzw. hier beginnt der Kreislauf des vollautomatischen Sanifair-Erlebnisparcours erneut. Denn kaum war ich fertig damit, stellte ich mit Schrecken fest, dass sich der Reinigungsarm wieder in Bewegung setzte, da diese Technik offenbar nicht zwischen Hand und Hintern unterscheiden kann.

Um es kurz zu machen … ich war schnell genug und froh, dass die Kraft der Brille nicht ausreichte, mich Karussell fahren zu lassen. Dafür rotierte sie später allein weiter, während der nun wohl beleidigte Reinigungsarm schmollte und sich nicht mehr blicken ließ.

Liebe Leute von Sanifair! Wäre es wohl möglich, dass ihr an den Abläufen in Euren Erlebniswelten noch ein wenig schraubt? Alternativ wäre es vielleicht möglich, dass Ihr einfach das Audioprogramm etwas umprogrammiert. Wär doch eine witzige Idee, wenn die „Herrrrrzlich Willkommen bei Sanifair-„Dame aus dem Off einfach jedem gedankenlosen Besucher ein „Magst Du nicht spülen, Ferkelchen“ mit auf den Weg gibt.

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